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03.07.2011 17:04 Alter: 322 days
Kategorie: Top-News

Trail Verbier Saint-Bernhard


Bericht von Norbert Kathan

Hallo!

 

Am 2./3. 7. Juli 2011 habe ich beim Ultra Verbier/Gr. Bernard teilgenommen – 110 km und 7.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Einfach grausam steil. An Steilheit kaum mehr zu überbieten war der letzte Anstieg: Nach 99 km ging´s von Lourtier auf 4,88 km 1.156 m bergauf. Vergleichbar mit dem „Stich“ am Karren, nur halt 30 x so lange.

 

Das Rennen ist landschaftlich „der Hammer“. Man rennt auf 5 hohe Berge zwischen 2.200 und 2.700 m, dazwischen immer wieder sau weit hinunter. Die Aussicht auf den Gr. Combin, auf den Mont Blanc und die sonstigen berühmten Westalpen-Gipfel ist gigantisch – vor allem wenn so ein Wetter herrscht wie dieses Wochenende. Die Bedingungen waren perfekt: Blauer Himmel, trockene Laufpfade, nicht zu warm, im Hochgebirge eher etwas kühl und windig – teilweise lange Kleidung notwendig. Der Lauf-Untergrund ist super: Herrliche Waldpfade, gut angelegte Bergwander-Wege, im Hochgebirge zwar felsig, aber nur selten rauhe Steige – halt steil ist es in den Westalpen, vielfach so steil, dass nur noch flottes, am Schluss sogar nur noch langsames Gehen möglich ist/war.

 

Trotz Problemen in der Nacht mit meinem Magen – ich hatte irgendwas am Vortag „aufgegabelt“ – stand ich um 5:00 morgens am Start. Nicht so ganz überzeugt, ob´s wohl gut gehen wird. Während des 1. Anstieges plagte mich noch etwas mein Magen, dann hatte ich dieses Problem überstanden. Dann so 1.700 m nach unten und dann 800 Höhenmeter das herrliche Val Ferret hinauf nach Champex, wieder 500 m hinunter und hinauf nach La Fouly, wo man seinen Kleidersack entgegennehmen konnte. Nach ½ Stunde Pause dann der wirklich brutale und lange Anstieg auf 2.698 m auf den Col de Fenetre (60 km). Hinab zum Col de St. Bernard und wieder hinauf zum höchsten Punkt auf 2.710 m. Durch ein herrliches Hochgebirgstal ging´s dann über 1.000 m hinab zum großen Verpflegungsstützpunkt in Bourg St. Pierre bei 76 km. Hier hatte ich eigentlich meine schwächste Zeit, war einfach nicht gut drauf, mir war etwas übel und ich war müde – und noch 2.500 m im Auf- und Abstieg vor mir sowie 34 km Distanz! Die Spaghetti dies gab, konnte ich nicht essen, dafür aß ich 2 Schalen Nudelsuppe und trank Cola was ging; auch ein Squezze mit Red Bull zog ich mir rein. Ich erholte mich relativ rasch und nahm die 1.100 Höhenmeter zum Co de Mille, 2.480 m in Angriff. Im oberen Drittel kam ich dann in die kühle Nacht und ganz im Dunkeln nach oben. Ein ewig langer Abstieg folgte nach Lourtier und dann der oben beschriebene sagenhafte Anstieg auf La Chaux. Nachts um 4:00 hatte ich den letzten Aufstieg hinter mir, von hier ging´s – mit einer Ausnahme - nur noch steil bergab. Ich war überrascht, wie gut´s mir noch ging. Ich sauste relativ flott hinunter, da meine Oberschenkel noch kaum schmerzten und ich auch nur kleine Druckstellen in den Laufschuhen hatte.

 

1 km vor dem Ziel, am Ende des Waldes am Ortseingang von Verbier, kam mir meine Freundin entgegen und feuerte mich an; der Ehrgeiz packte mich und ich sprintete was ich noch konnte leicht absteigend ins Ziel; ich überholte auf den letzten Metern noch 3 Konkurrenten, die einfach nur noch gehend sich ins Ziel bewegten. 24 Stunden 36 Minuten hatte ich benötigt, von 269 Gestarteten kamen 163 ins Ziel (Ausfallsquote 40 %!). Ich wurde 87. im Gesamtklassement und 10. in der Altersklasse M 50 – 60. Mir ging´s im Ziel super, ich hatte nur einen unbändigen Durst, den ich mit einem von Inge besorgten Bier sofort zu löschen versuchte. Dann spazierten wir ins nahegelegene Hotel. Ein wirklich toller Lauf, der alles bietet, was zu einem Ultra-Berglauf dazugehört; übrigens auch perfekt organisiert!