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01.07.2010 09:45 Alter: 2 yrs
Kategorie: Top-News

Grand Raid du Cro Magnon


Bericht von Norbert Kathan

Hallo!

 

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, habe ich am 26./27.6.2010 am Grand Raid du Cro Magnon teilgenommen. Ein Ultra-Berglauf in den italien./französischen Seealpen – von Limone, einem Wintersportort im Piemont, nach Monte Carlo an der Cote d´Azur (112 km und 5.500 Höhenmeter im Aufstieg, 6.500 im Abstieg). Aus Umweltschutzgründen ist die Zahl auf 400 Starter beschränkt. Der Lauf führt weite Teile durch den französischen Nationalpark Mercantour.

 

Der Start war um 5:00 morgens bei idealen Bedingungen – trocken, frisch, wolkenloser Himmel. Von knapp 1.000 m Meereshöhe geht’s gleich 1.400 m steil bergauf und dann immer auf und ab über mehrere Gebirgsstöcke – immer so zwischen 1.500 und 2.300 m Meereshöhe - zum Verpflegungsstützpunkt bei 54 km (bis hierher sind 4 größere Anstiege mit insgesamt 3.400 Höhenmeter zu bewältigen). Dieser alpine Streckenabschnitt war phantastisch. Herrliche Gebirgspfade, sehr gut laufbar, ausgedehnte Hangquerungen, dann wieder über Joche und Grate, steile Passagen abwechselnd mit erholsameren Abschnitten - das Schönste was es für einen Bergläufer gibt.

Bei 54 km im Camp d´Argent kann man einen Kleidersack entgegennehmen und sich umziehen und man bekommt eine warme Mahlzeit. Das brauchte ich auch unbedingt, denn bis hier her war ich bereits rund 9 Stunden unterwegs, dazwischen nur 2 Verpflegstationen mit Getränken und Kuchen. Aus diesem Grund braucht man auch die vorgeschriebene Pflicht-Ersatznahrung/Flüssigkeit auf der Strecke unbedingt.

Ab diesem Punkt kommt der mediterane Streckenabschnitt. Von der Strecke her nochmals etwa soviel, im Aufstieg noch 2.100 Höhenmeter, dafür im Abstieg saftige 3.800 m und die sind bei so langen Läufen meistens noch härter. Vor allem dann, wenn die Wege dann steil, schottrig, schmal, steinig, verwachsen sind, wie es hinab an die Küste auf sehr vielen Streckenabschnitten war. Da gibt es 1000 Möglichkeiten für einen Sturz. Im 2. Abschnitt sind zwar nur noch 2 größere Anstiege, diese aber bei bereits 80 km bzw. 90 km, und mit jeweils 800 Höhenmeter steil und mühsam. Beim letzten Anstieg kam ich dann in die Nacht, eine traumhafte laue Vollmondnacht. Und dann sahen wir – so bei 93 km und nach 18 Stunden Laufzeit - das erste Mal die Küste, ich musste stehen bleiben: der orange Vollmond stand strahlend am Himmel und schien ins blutrot scheinende Meer..... so was hatte ich noch nie gesehen. Obwohl ich das ganze Rennen bis hier her kein gröberes Problem hatte und mein Feeling immer o.k. war, dieser Blick hob meine Stimmung auf den Gipfel und ich war glücklich, dass ich so was erleben durfte. Und von hier nur noch ca. 3 – 4 Stunden bis ins Ziel! Es ging dann die letzten 12 km steil hinab, über teilweise wirklich schlechte Waldpfade, mühsam aber immer wieder mit dem herrlichen Blick auf das hellerleuchtete Monte Carlo und die Küste. Ich genoss diese letzten Kilometer, vor allem darum, weil es mir physisch noch recht gut ging und meine Oberschenkel noch kaum schmerzten, was mich nach den bewältigten Höhendifferenzen, insbesondere im Abstieg, selbst verwunderte.

Der letzte Kilometer geht dann am Cap d´Ail auf der Strandpromenade dem Meer entlang hinüber zum Plage Marquet (Base Nautique). Um genau 2:22, nach 21 Stunden und 5 Minuten laufe ich über die Ziellinie (zwischen 2 Katameranen) im Sand des Strandes; als 66. von schlussendlich nur 302 Gestarteten (die alle Bedingungen erfüllten) und als 12. der Männerklasse V2 (das sind die 50 bis 60jährigen). Von den 214 im Ziel war ich sicher der einzige Österreicher, ich glaube sogar der einzig deutschsprechende Läufer; fast alles waren Italiener, Franzosen, ein paar Spanier und noch ein paar wenige aus sonstigen Nationen.

Im Ziel ging´s mir prima, ich freute mich über das Erlebte, auch wenn ich alleine war. Mein Laufkollege Horst Pacher musste verletzungsbedingt kurz vor dem Lauf absagen. Der Lauf ist einer der Schönste den ich kenne, landschaftlich an Schönheit kaum mehr zu überbieten, die Organisation ist etwas „hemdsärmelig“, die wesentlichen Dinge haben aber alle geklappt. Die Verpflegung während des Laufes ist äußerst knapp – darauf wird in der Ausschreibung aber auch hingewiesen – da eine Teil-Selbstversorgung verpflichtend vorgeschrieben ist. Der Lauf fällt bei dieser Distanz und Höhendifferenz logischerweise in die Rubrik „anspruchsvoll“, allerdings sind der Ultra Trail Mont Blanc, der Grand Raid de la Réunion und der Grand Raid des Pyrénees von der Beanspruchung her schon noch mindestens 1 Klasse höher einzustufen (haben ja auch rund 4.000 Höhenmeter mehr und sind rund 40 – 50 km länger).